Einzelprojekte

Projekt: Magdalena Saryusz-Wolska

Museum des Zweiten Weltkriegs, 2017 Fot. M. Saryusz-Wolska

Das Projekt von Magdalena Saryusz-Wolska konzentriert sich auf die Rolle audiovisueller Medien (AVs) in Ausstellungen zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts. Sie interessiert sich besonders für die Art, wie audiovisuelle Technologien die Ausstellungen und deren Rezeption prägen. Wann werden AVs von den Museen/Galerien/Gedenkstätten selbst produziert und wann von externen Unternehmen? Wie funktioniert die Kommunikation zwischen diesen Teams? Was ist der Unterschied zwischen AVs, die aus vorhandenem Material bestehen (z.B. Zusammenschnitt von Archivmaterial) und solchen, die neu erstellt werden? Wie wirken sich die Formate und Genres der Filmproduktion auf ihre Präsenz in den Ausstellungen aus? Wie interagieren AVs mit anderen ausgestellten Objekten? Wie nachhaltig sind AVs als Teil von Ausstellungen? Diese und andere Fragen werden auf Grundlage von Ausstellungsanalysen, Interviews mit Kurator:innen und Manager:innen sowie Archivrecherchen beantwortet. Bei den untersuchten Ausstellungen handelt es sich unter anderem um die Dauerausstellung des Museums des Zweiten Weltkriegs in Danzig und die des POLIN-Museums für die Geschichte der polnischen Juden in Warschau.

Projekt: Tomasz Załuski

„Hideouts“, Galerie, 2022. Fot. T. Załuski 

Das Forschungsprojekt von Tomasz Załuski konzentriert sich auf zeitgenössische Kunstausstellungen, die sich mit deutsch-polnischen Beziehungen im Kontext des Zweiten Weltkriegs, des Holocausts und der Nachkriegsvertreibungen auseinandersetzten. Zu den analysierten Beispielen gehören Ausstellungen in Kunstgalerien und -museen sowie in historischen und ethnografischen Museen. Die Instrumente der exhibition studies, der museum studies und der infrastructure studies kombiniert mit einer transnationalen Perspektive und Theorien über die agency nicht-menschlicher Subjekte, bieten den methodischen Rahmen für die Analyse von Faktoren (institutionell-organisatorisch, finanziell, technisch, materiell), die die Erinnerungsnarrative mitgestalten. Welche Rolle spielen diese Faktoren im Produktionsprozess von Ausstellungen? Welche Handlungsmacht haben sie in Bezug auf Ausstellungsnarrative? Wie funktionieren die reflexiven, kritischen und erfinderischen Infrastrukturen, die vom transnationalen Feld der zeitgenössischen Kunstinstitutionen und -praktiken geschaffen wurden, wenn sie auf Museen übertragen werden? Welche Auswirkungen hat die Vernetzung der für beide Felder charakteristischen Praktiken auf die Produktion und die Erfahrung des kollektiven Gedächtnisses?

Projekt: Zofia Hartman

Infotafel in Sobibór, 2023. Fot. M. Saryusz-Wolska

Das Projekt von Zofia Hartman befasst sich mit der Nachkriegsgeschichte der Gedenkstätte Sobibór. Das NS-Vernichtungslager Sobibór wurde im Frühjahr 1942 als zweites (nach Bełżec) Zentrum der Vernichtung der Juden im Rahmen der „Aktion Reinhardt“ in einem trostlosen, bewaldeten Gebiet errichtet. Die Entscheidung dazu  wurde wahrscheinlich Ende Oktober 1941 im Zusammenhang mit der geplanten Vernichtung der Juden im Generalgouvernement und der Deportation Tausender Juden aus dem Distrikt Lublin getroffen. Die Zahl der Opfer des Vernichtungslagers Sobibór wird auf etwa 180.000 geschätzt. Die Literatur über den von NS-Deutschland begangenen Völkermord in Sobibór beschreibt und erklärt die Ereignisse aus historischer, politischer und anthropologischer Sicht. Auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers befindet sich heute ein Museum, das nach zwei Jahrzehnten dank der Bemühungen von Vertretern mehrerer Länder (Polen, Slowakei, Niederlande, Israel, Deutschland) renoviert und wiedereröffnet wurde. Doch was geschah von 1943, als die Nazis nach einem Aufstand der Lagerinsassen beschlossen, das Lager zu schließen, bis heute? Die Erforschung der Nachkriegsgeschichte von Sobibór betrifft die nicht offensichtliche Geschichte. Welche Rolle spielten Politik und wechselnde Regierungen beim Gedenken? Wie war die Finanzierung der zu diesem Zweck unternommenen Aktivitäten? Wer und warum bemühte sich um die Einrichtung eines Museums, und schließlich welche Auswirkungen hatte (und hat) die Umweltgeschichte? Das Projekt umfasst sowohl Archiv- und Feldforschung als auch die Durchführung von Interviews mit heutigen Einwohner:innen von Sobibór, die an der Nachkriegsexistenz des ehemaligen Vernichtungslagers in Sobibór beteiligt waren.

Projekt: Izabela Paszko

Holocaustmahmnal. Fot. Creative commons

Das Projekt von Izabela Paszko konzentriert sich auf nicht-menschliche Faktoren, die sich auf die Prozesse der Herstellung und Pflege von historischen Ausstellungen zum Zweiten Weltkrieg und zum Holocaust auswirken. Sie ist besonders daran interessiert, wie sich Klimabewusstsein, Nachhaltigkeit und technologische Herausforderungen im Ausstellungsprozess widerspiegeln und welche Lösungen umgesetzt werden, um eine ansprechende und informative Ausstellung zu ermöglichen, die ein transnationales Publikum und eine ökologisch orientierte Politik anspricht. Zu Izabelas Interessen gehören auch Faktoren, die mit externen, etablierten Merkmalen zusammenhängen, wie z. B. die touristische Infrastruktur, das Baurecht, das Gedächtnisrecht und die administrativ-finanziellen Vorschriften. Während ihrer Studie wird Izabela eine Feldforschung durchführen und Interviews mit Personen führen, die an der Konzeption und Realisierung von Ausstellungen beteiligt sind. Die Untersuchung wird in ausgewählten Museen und Institutionen in Deutschland durchgeführt.

Projekt: Agnieszka Rejniak-Majewska

Hamburger Bahnhof Museum, 2021. Fot. M. Saryusz-Wolska

Das Projekt von Agnieszka Rejniak-Majewska konzentriert sich auf Kunst und experimentelle kuratorische Praktiken, die sich mit der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust beschäftigen. In den letzten Jahrzehnten hat das Medium der Museumsausstellung als Ort der Gestaltung und Verhandlung kultureller Erinnerungen an Bedeutung gewonnen. Zudem wurden Ausstellungsformate und institutionelle Ansätze durch Einführung neuer inter- und transdisziplinärer Formate weiterentwickelt. Sie ermöglichen die produktive Zusammenarbeit von Künstler:innen, Kurator:innen und Wissenschaftler:innen. Auf welche Weise können diese transdisziplinären kuratorischen Praktiken vielstimmige, komplexe Formen der Erinnerung und des interkulturellen Dialogs fördern? Welche infrastrukturellen Faktoren (finanzielle, architektonische, technische, konservatorische usw.) erleichtern solche Ausstellungen und bestimmen ihre endgültige Form? Wie finden künstlerische Projekte, die aus der Tradition der Post-Avantgarde stammen, ihren Weg zu zeitgenössischen historischen Ausstellungen, die sich auf die schwierige Vergangenheit beziehen? Diese Fragen werden anhand der Analyse ausgewählter temporärer und permanenter Ausstellungsprojekte – ihrer Produktion und Rezeption – diskutiert.

Projekt: Seda Shekoyan

Akademie der Künste Berlin, 2021. Fot. M. Saryusz-Wolska

Seda Shekoyans Forschungsprojekt „Circulation of Art Curatorial Practices in Polish and German Exhibitions on World War II and the Holocaust“ zielt darauf ab, die Rezeption und Zirkulation von Kunstausstellungen als Räume kultureller Beziehungen und Vermittlungen zwischen Polen und Deutschland zu untersuchen. Seda wird die Produktion, Präsentation, Distribution und Rezeption ausgewählter Ausstellungen analysieren, die in den letzten zwei Jahrzehnten in beiden Ländern organisiert wurden und sich mit der polnischen und deutschen Perspektive auf den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust befassen. Ihr Fokus liegt dabei auf kuratorischen Praktiken als Infrastrukturen, die eine wichtige Rolle bei der Konstruktion von Narrativen der kulturellen Erinnerung spielen. Die wichtigste Forschungsfrage lautet daher: Wie beeinflusst die Zirkulation kuratorischen Wissens und kuratorischer Praktiken die Gestaltung kultureller Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg und Holocaust in Polen und Deutschland? Der Begriff der Zirkulation umfasst dabei transnationale und globale Bewegungen kuratorischer Ideen, Strategien und Ansätze, Praktiken der Ausstellungsproduktion und Installationsformate, Politiken der Mittelbeschaffung usw., sowie ein Netzwerk von Produktions-, Distributions- und Rezeptionsprozessen.

Projekt: Juliane Tomann

Foto: Creative Commons

Im Projekt von Juliane Tomann geht es um den Einsatz immersiver digitaler Technologien im historischen Ausstellungen. Sie kommen in verschiedenen Museen und unabhängig vom kulturellen Kontext in ähnlicher Weise zur Anwendung. Perspektivisch werden sie wachsenden Einfluss auf die Modi des Erinnerns haben. Welche Rolle spielt die körperliche und emotionale Dimension, wenn Besucher die rekonstruierte Vergangenheit innerhalb einer VR/MR Umgebung erleben? Wie wird in den medial-immersiven Umgebungen jeweils mit historischer Distanz umgegangen? Kann diese überhaupt vermittelt werden, wenn es um die Herstellung eines atmosphärischen Gefühls der Präsenz des Vergangenen in der Gegenwart geht? Gegenstand der Analyse werden auch Genrestandards (narrative Muster, auf denen VR-Anwendungen basieren) und von Rezeptionsbedingungen (Präsentationsort, Umgebung) sein.

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